Zeitgemäßes Fachwissen gefragt

In einer Umfrage unter 150 Ausbildungsbetrieben hat das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstand St.Vith untersucht, welche Erwartungen heute an eine Berufsschule gestellt werden.

Das ZAWM St.Vith feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Seit 1992 ist das Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes der erste Ansprechpartner für die duale Lehrlingsausbildung in der belgischen Eifel und nutzte das Jubiläum, um die Erwartungen an die Berufsschule auszuloten.

 Ca. 150 Ausbildungsbetriebe der Region wurden eingeladen, an einer Umfrage teilzunehmen. Ziel dieser Initiative war es, anhand von nur fünf Fragen Anregungen für die Zukunft der dualen Ausbildung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu erhalten.

Immerhin zehn Prozent der Unternehmen haben Antwort gegeben. „Damit kann die Umfrage zwar nicht unbedingt in Anspruch nehmen, ein repräsentatives Bild zu zeichnen. Aus dem Feedback lassen sich dennoch einige interessante Aspekte ableiten“, so Direktor Erich Hilger.

„Durch den Praxisbezug bleibt die duale Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Technik.“

Vor allem, welche konkreten Erwartungen sich an die Berufsschule richten. Dazu gehören motivierte und bestens ausgebildete Lehrkräfte bzw. Fachlehrer. Der Unterricht sollte auf dem neuesten Stand sein und zeitgemäßes Fachwissen vermitteln, war eine der Kernaussagen, die sich aus der Umfrage ableiten lassen. „Begrüßt wird allgemein, dass die Fachlehrer aus der betrieblichen Praxis kommen und wissen, wovon sie reden. Durch diesen Praxisbezug bleibt die duale Ausbildung stets auf dem aktuellen Stand der Technik“, so Erich Hilger.

Einige Befragte legten demnach Wert auf die Vermittlung von EDV-technischen Kenntnissen, in bestimmte Branchen spezifisch mit Blick auf die Automatisierung und „Robotisierung“ der Produktion. Es fehle an Bewusstsein, dass digitale Kompetenz auch im betrieblichen Umfeld unerlässlich geworden sei.

„Die Erwartungen an die Berufsschule sind sehr hoch – manchmal auch zu hoch“, findet Erich Hilger, der das ZAWM seit seiner Gründung vor 25 Jahren leitet. „Man erwartet eine breite Allgemeinbildung und die Vermittlung von fundiertem Fachwissen auf dem neuesten Stand. Dabei erachtet man es auch als selbstverständlich, dass Schule fehlende erzieherische Aufgaben übernimmt. Hier stellt sich nicht nur für mich die Frage, inwieweit Schule mit all diesen Aufgaben nicht überfordert ist.“

Denn es fehle an personellen Ressourcen, sprich Sozialpädagogen und Erzieher in den Schulen, um die erzieherischen Aufgaben zu übernehmen. „Es fehlen aber auch die finanziellen Mittel, um die besten Fachleute und Pädagogen zur Wissensvermittlung engagieren zu können und die infrastrukturelle Ausstattung der Berufsschulen ständig und aktuell auf dem neuesten Stand zu halten. Deshalb drängen wir auch auf eine schnellstmögliche Umsetzung der Pläne des Technologiecampus in St.Vith.“

Von elementarer Bedeutung sei, dass solide Grundlagen des Berufsbildes vermittelt werden. „Der Auszubildende muss eine Arbeit nicht nur ausführen können, sondern auch wissen, warum er eine gewisse Arbeit so macht. Dies hat deutlich Auswirkungen auf die rationale Arbeitsmethode, die wiederum die Produktivität steigert.“ Ein breites Wissen an Arbeitsverfahren müsse vermittelt werden, damit Arbeitsprozesse richtig ausgewählt werden können.

Aber auch das Thema Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz stößt auf Interesse der Betriebsleiter: „Die gesetzlichen Auflagen werden immer strenger und jeder vermiedene Unfall ist ein Gewinn für den Betrieb.“ Ein Ausbilder aus der Baubranche plädiere dafür, dass Ersthelferkurse schon in Allgemeinkunde mit eingebaut werden und dass die Sicherheit und Gefahrenverhütung am Arbeitsplatz mehr im Detail behandelt werden sollen. Auch die Rückenschulung und die richtigen Hebetechniken sollte jede(r) bereits als junger Mensch erlernen. Eine besondere Herausforderung, in allen Berufen, stellt die Verarbeitung neuer Materialien dar. Deshalb wünscht ein Betriebsleiter sich einen stärkeren Fokus auf neue Verfahren und Materialien. Bezogen auf die Lernziele glaubt ein anderer Unternehmer, dass die Französischkenntnisse und die Allgemeinbildung ausbaufähig sind. Auch wird die Vermittlung zusätzlicher EDV-Kenntnisse, z.B. im Zeichnen und Entwerfen am Computer (CAD) gewünscht.

Angepasste Angebote für leistungsschwächere und leistungsstarke Schüler.

Allerdings gab es in der Befragung nicht nur Kritik, sondern auch Zuspruch: „Es ist gut so, wie es momentan läuft“, habe ein Ausbilder geantwortet. Ein weiterer habe es so zusammengefasst: „Ich konzentriere mich auf den Schnee von heute, der passt.“

Klar sei aber auch, dass nur durch eine weitere Verbesserung der Schulqualität die Zahl der leistungsschwächeren und häufig nicht ausbildungsfähigen Jugendlichen gesenkt werden könne. „Daneben müssen auch leistungsstarke Jugendliche besser gefördert werden. Insgesamt muss eine individuelle Förderung im Zentrum der Bemühungen stehen.“ Nur durch schulische Basiskompetenz und Soft Skills gelinge der Übergang zu Ausbildung und Beruf.

In der dualen Berufsausbildung bedürfe es noch stärker als bisher eines breiten Spektrums an Ausbildungsangeboten, das leistungsschwächeren Jugendlichen Chancen eröffnet. „Und für leistungsstarke Auszubildende müssen weiterhin vielfältige und attraktive Angebote geschaffen werden, die Berufsaussichten und Karrierechancen der jungen Menschen noch weiter verbessern und dadurch die Entscheidung für eine duale Ausbildung fördern.“ Dazu zähle die Möglichkeit zum Erwerb von Zusatzqualifikationen, wie EDV-, Technik- und Fremdsprachenkenntnisse ebenso wie der parallele Erwerb von Hochschulreife und beruflichem Abschluss. „Auch Auslandsaufenthalte bieten die Möglichkeit, Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen und Selbstständigkeit sowie interkulturelle Kompetenz der Auszubildenden zu stärken.“

>>>Hier geht's zum vollständigen GE-Artikel vom 15.04.2017